Die kleine Kneipe

puzzle_logoHEIMATEs ist noch ziemlich früh am Nachmittag und in der kleinen Kneipe ist – mitten in der Woche – noch nicht viel los. Ich trinke genüsslich einen Kaffee und schaue zufrieden umher. Durch die großen Fenster kann man schon von weitem erkennen, wenn jemand sich der kleinen Kneipe nähert. Bei den Stammgästen wird dann auch, noch bevor der Raum betreten wird, das entsprechende Getränk eingeschenkt und mit einem freundliches »Bitte« dem platznehmenden Gast serviert – eine kleine Idylle inmitten unserer hektischen Welt. Neuigkeiten aus der näheren Umgebung und von Bekannten machen die Runde – Neuigkeiten, die nicht in der Lokalpresse stehen und dennoch wichtig im Leben eines jeden Menschen sind.


Draußen auf den Wegen des angrenzenden Parks führen die Leute ihre Hunde Gassi und zeigen durch ein Lächeln im Gesicht, dass die erste wärmende Frühlingssonne dankbar genossen wird. Ein Tag wie jeder andere? Nein, heute nicht. Eine Dame mittleren Alters geht eilenden Schrittes schnurstracks auf die Eingangstür zu – in der Hand eine Leine und an der Leine einen völlig durchnässten Hund. »Guten Tag, hat jemand nachgefragt, ob ein Hund vermisst wird?« »Mir ist nämlich dieser Hund zugelaufen und ich suche jetzt den Besitzer.« Das Fell des großen Hundes war ziemlich zerzaust und er machte einen abgekämpften Eindruck. Also schnell den Hundenapf (der dort immer bereit steht) mit Wasser gefüllt und vor die Nase des Hundes abgestellt. Doch so durstig war dieser Findling gar nicht, nach ein paar kleinen geräuschvollen Schlucken legte er sich gemütlich auf den Boden und schaute die Leute um ihn herum mit großen treuen Augen an.

Was ist zu tun? Die Telefon-Nummer des Tierheims hatte keiner der Anwesenden auf dem Handy gespeichert. Also rief die immer freundliche Bedienung bei der Polizei an: »Hier ist ein Hund gefunden worden, was ist nun zu tun?« Der diensthabende Polizist gab die Telefon-Nummer des Tierheims durch und der anschließende Anruf dort ergab, dass ein Mitarbeiter den zugelaufenen Hund gleich abholen werde.

Eine viertel Stunde später – ein Auto hält am Straßenrand und eine junge Frau steigt hektisch aus dem Wagen. Mit den Worten »Da bist du ja, du Böser!« gab diese junge Frau dem Hund einen kräftigen Schlag auf die Nase. Die anwesenden Gäste in der kleinen Kneipe schauten sich stumm an und dachten: »Was ist das denn für eine unfreundliche Person, da kann ich den Hund verstehen, dass der abgehauen ist.« Die Bedienung gab der jungen Frau noch den Zettel, auf dem sie die Adresse und Telefon-Nummer der Finderin notiert hatte. »Möchten Sie die Adresse der Finderin haben?« Die Antwort kam sehr schroff: »Geben Sie schon her!«, sprach’s, schnappte ihren Hund und eilte Richtung Auto. Kein Danke, keine Freude dass dem Hund nichts passiert ist – einfach nichts.

Was sind das nur für Hundehalter, die so lieblos mit ihren Tieren umgehen? Allen Gästen in der kleinen Kneipe tat der Hund leid.

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